Stromausfälle treten selten auf – aber wenn sie kommen, dann oft unerwartet und mit deutlichen Auswirkungen auf den Alltag. Viele Bauherren gehen davon aus, dass eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher automatisch eine Notstromversorgung bietet. In der Praxis ist das jedoch nur bei bestimmten Systemen der Fall. Dieser Beitrag erklärt, welche technischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie Inselbetrieb funktioniert, warum ein autarker Winterbetrieb kaum möglich ist und welche Rolle ein Generator weiterhin spielt.
1. Warum PV‑Anlagen nicht automatisch notstromfähig sind
Die meisten in Deutschland installierten PV‑Anlagen arbeiten netzgeführt. Das bedeutet:
- Der Wechselrichter benötigt eine stabile Netzfrequenz als Referenz.
- Fällt die Netzsynchronisation weg, schaltet das System aus Sicherheitsgründen sofort ab.
- Ohne spezielle Notstrom‑ oder Inselbetriebsfunktion bleibt die gesamte Anlage bei einem Blackout abgeschaltet.
Notstromfähigkeit ist daher kein Standard, sondern eine zusätzliche Funktion, die bewusst geplant werden muss.
2. Inselbetrieb: Die technischen Grundlagen
Damit eine PV‑Anlage bei einem Stromausfall weiterläuft, muss das System ein eigenes Inselnetz erzeugen. Dafür sind mehrere technische Komponenten notwendig:
a) Netztrenneinrichtung
Eine sichere Trennung vom öffentlichen Netz ist zwingend erforderlich. Dies kann über eine integrierte oder externe Umschalteinrichtung erfolgen.
b) Eigene Netzformung
Der Wechselrichter muss Spannung und Frequenz selbst erzeugen können. Nicht alle Geräte sind dafür ausgelegt.
c) Batteriebetrieb ohne Netzreferenz
Die Batterie muss auch ohne Netzspannung geladen und entladen werden können.
d) Lastmanagement im Inselbetrieb
Das System muss Verbraucher priorisieren und die Batterie vor Tiefentladung schützen.
Nur wenn alle diese Punkte erfüllt sind, kann eine PV‑Anlage im Blackout weiterarbeiten.
3. Welche Systeme sich für Notstrom eignen
Da Funktionsumfang und Firmware‑Stand je nach Modell variieren können, ist es sinnvoll, die Auswahl nicht an Markennamen, sondern an objektiven technischen Eigenschaften auszurichten.
Notstromfähig sind Systeme, die folgende Funktionen unterstützen:
- Inselnetzfähigkeit
- Eine integrierte oder externe Netztrenneinrichtung
- Batteriebetrieb ohne Netzreferenz
- Nutzung von PV‑Ertrag im Inselbetrieb
- Optional: Einbindung eines Generators in das Energiemanagement
Nicht notstromfähig sind Systeme, die:
- ausschließlich netzgeführt arbeiten
- keine Netztrennung ermöglichen
- PV‑Ertrag bei Netzausfall grundsätzlich nicht nutzen können
- nur eine einzelne Notstromsteckdose bereitstellen
- keine eigene Netzformung unterstützen
Hinweis für Bauherren
Für eine vollständige Hausversorgung („Full‑Backup“) sind in der Regel zusätzliche Komponenten erforderlich, die über einfache Notstromsteckdosen hinausgehen. Eine frühzeitige Planung ist entscheidend, um spätere Umbauten zu vermeiden.
4. Warum ein autarker Winterbetrieb kaum realistisch ist
Viele Bauherren wünschen sich eine vollständig autarke Versorgung – besonders im Winter. In der Praxis ist das jedoch kaum erreichbar.
Gründe für geringe Winterautarkie:
- Tief stehende Sonne
- Kürzere Tageslängen
- Häufig bedeckter Himmel
- Schnee auf den Modulen
- Deutlich höherer Strombedarf (Wärmepumpe, Warmwasser, Heizungsnebenaggregate)
Die PV‑Erträge liegen im Dezember oft nur bei 5–15 % der Sommerleistung. Selbst große Speicher können diese Lücke nicht über mehrere Tage schließen.
➡️ Ein mehrtägiger Blackout im Winter ist ohne zusätzliche Energiequelle kaum überbrückbar.
5. Warum ein Generator weiterhin eine wichtige Rolle spielt
Ein Generator ist die einzige verlässliche Energiequelle, wenn:
- mehrere Tage kaum PV‑Ertrag vorhanden ist
- die Batterie leer ist
- hohe Lasten versorgt werden müssen
Möglichkeiten der Generator‑Einbindung
1. Integration in ein Energiemanagementsystem (EMS)
Der Generator kann so eingebunden werden, dass:
- er automatisch startet
- die Batterie lädt
- definierte Verbraucher priorisiert werden
- Lastspitzen abgefangen werden
2. Externe Umschalteinrichtung
Der Generator speist das Hausnetz, während PV‑Wechselrichter abgeschaltet bleiben. Sinnvoll für einfache Notstromkreise.
3. Manuelle Zuschaltung
Für seltene Nutzung ausreichend, aber weniger komfortabel.
6. Rechtliche Voraussetzungen für Generatorbetrieb
In Deutschland gelten klare Vorgaben, die unbedingt einzuhalten sind:
a) Netztrennung
Der Generator darf niemals mit dem öffentlichen Netz verbunden sein. Eine normgerechte Umschalteinrichtung ist Pflicht.
b) Brandschutz & Treibstofflagerung
- Lagerung nur in zugelassenen Behältern
- Mengenbegrenzungen in Wohngebäuden
- Belüftung und Abstände beachten
- Bei größeren Mengen: Auffangwanne, Brandschutzkonzept
c) Abgasführung
- Betrieb niemals in geschlossenen Räumen
- Gefahr durch Kohlenmonoxid
- Mindestabstände und Abgasführung beachten
d) Lärmschutz
- Kommunale Ruhezeiten beachten
- Schallschutzgehäuse empfehlenswert
e) Anmeldung
- Festeingebaute Generatoren sind anmeldepflichtig
- Mobile Geräte meist nicht – Netztrennung bleibt Pflicht
7. Häufige Irrtümer – und die korrekten Antworten
| Irrtum | Realität |
|---|---|
| „Mit Speicher habe ich automatisch Notstrom.“ | Nur spezielle Systeme können Inselbetrieb. |
| „PV lädt die Batterie auch bei Blackout.“ | Nur bei Inselnetz‑fähigen Systemen. |
| „Im Winter kann ich autark sein.“ | Realistisch nur mit zusätzlicher Energiequelle. |
| „Ein Hybridwechselrichter kann immer Notstrom.“ | Funktionsumfang ist modellabhängig. |
| „Ein Generator ist Plug‑and‑Play.“ | Netztrennung, Brandschutz und Lagerung sind streng geregelt. |
Fazit
Eine zuverlässige Notstromversorgung erfordert eine sorgfältige Planung und die richtige Systemarchitektur. PV‑Anlage und Speicher bilden eine gute Basis – doch für echte Blackout‑Sicherheit sind Inselnetzfähigkeit, Netztrennung und oft ein Generator notwendig. Wer diese Punkte berücksichtigt, kann sein Gebäude auch bei längeren Stromausfällen sicher und effizient betreiben.
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